Protest der Gastro-Branche: „Leere Stühle“ in deutschen Städten

Leaders Club Germany - Aktion Leere Stühle

Es war ein beeindruckendes Mahnmal: Hunderte Stühle aus Dresdner Restaurants standen am vergangenen Freitag für mehrere Stunden leer und verwaist vor der berühmten Kulisse der Frauenkirche. Rund 530 Gastronomen hatten sich an der Aktion „Leere Stühle“ beteiligt, um auf die dramatische Situation der Branche angesichts des Corona-Shutdowns aufmerksam zu machen. „Die Kollegen in Dresden haben einen sehr kreativen Weg des Protests gefunden und mit den leeren Stühlen vor der Frauenkirche einen eindrucksvollen Hilferuf aus der Branche gesendet“, sagt Michael Kuriat, Präsident des Leaders Clubs Deutschland. „Wir möchten daraus eine bundesweite Bewegung machen: mit so vielen Stühlen in so vielen Städten wie möglich.“

Gastronomen für die Organisation vor Ort gesucht

Als eine der führenden Branchenvereinigungen ruft der Leaders Club alle Gastronomen und Hoteliers in ganz Deutschland auf, es den Dresdner Kollegen gleichzutun. Michael Kuriat: „Wir suchen Gastronomen, die in ihrer Stadt die Organisation übernehmen, um gemeinsam ein starkes Zeichen zur Rettung unserer Branche und unserer Betriebe setzen. Denn bei den jüngsten Verhandlungen zur Lockerung der Einschränkungen hat die Gastronomie überhaupt keine Rolle gespielt. Wir werden schlichtweg im Dunkeln stehen gelassen und steuern geradewegs in eine unglaubliche Katastrophe.“

Davon betroffen sind neben den fast 2,5 Millionen Mitarbeitern auch die Industriepartner und ein Großteil der Kulturszene. Die Branche feiere nicht nur Après-Ski-Partys, betont Patrick Rüther, Vorstandsvorsitzender des Leaders Clubs Deutschland. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und durchaus in der Lage, wirksame Hygiene-Konzepte zur erarbeiten und umzusetzen. Aber dazu muss man mit uns reden und uns die Perspektive geben, diese schwierige Zeit überbrücken zu können.“

„Leere Stühle“ – Vier Kernforderungen

Es gehe jetzt darum, mit einer Stimme zu sprechen und den Forderungen der Branche endlich Gehör zu verschaffen:

  1. Ein klarer Fahrplan für die Wiedereröffnung der mehr als 220.000 Betriebe
  2. Einführung von 7% Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe
  3. Aufstockung von Zuschüssen für alle Unternehmensgrößen (bemessen an Steuererklärungen, um ehrlich wirtschaftenden Gastronomen gerecht zu werden)
  4. Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 % UND Einführung des Kurzarbeitergeldes auch für Auszubildende

Am Freitag, dem 24. April, wird die Aktion „Leere Stühle“ zwischen 11 und 13 Uhr, deutschlandweit durchgeführt. „Alle Demonstrationen sollen selbstverständlich angemeldet, legal und strukturiert stattfinden. Die Auflagen des Infektionsschutzes müssen unbedingt einhalten werden“, unterstreicht Kuriat. „Deshalb ist es entscheidend, dass alle Teilnehmer einen Mundschutz tragen und die Mindestabstände wahren.“ Der Leaders Club stellt seine gesamten Kapazitäten zur Verfügung, um die jeweils verantwortlichen Gastronomen vor Ort bei der Anmeldung und Organisation der Demonstration zu unterstützen. Alle nötigen Informationen finden sich auf der Website der Vereinigung www.leadersclub.de, regelmäßige News und Updates gibt es außerdem auf der Facebook-Seite. „Es gilt, gemeinsam mit den lokalen Ämtern Lösungen zu finden, wie wir auch in diesen schwierigen Zeiten eine solche Aktion durchführen können, ohne dass unnötig viele Kräfte bei Polizei und Aufsichtsbehörden gebunden werden.“

Es müssen Taten folgen

„Unsere Forderungen sind seit Längerem bekannt“, sagt Rüther. „Nur passiert ist bisher gar nichts. Wir waren die erste Branche, die geschlossen wurde, und sind vermutlich die letzte, die wieder öffnen darf. Wir wollen selbstverständlich unseren Beitrag zur Bewältigung und Eindämmung dieser Krise leisten, aber unsere Existenz und die unserer Mitarbeiter muss gesichert werden.“ Dazu brauche es zusätzliche Unterstützung – unverzüglich und auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnitten. „Die aktuellen Ankündigungen aus der Politik, eine Senkung der Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe auf 7 % und weitere Hilfen in Erwägung zu ziehen, machen Hoffnung. Allerdings warten wir hier dringend auf Konkretisierungen. Es müssen jetzt schnell Taten folgen!“

Update:

Nach reiflichen Überlegungen hat die Interessengemeinschaft IG Kölner Gastro ihre für Freitag, 24.4.20, geplante Aktion auf dem Roncalliplatz an den Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA übergeben.

Hintergrund ist die Entscheidung der Bundesregierung, den MwSt-Satz für Speisen in Gaststätten und Restaurants von 19 % auf 7 % zu senken ( befristet für ein Jahr ab dem 1.7.20) und das Kurzarbeitergeld zu erhöhen.
„Wir sind mit den Beschlüssen der Koalition überrascht worden und finden es ist ist das falsche Signal, einen Tag später mit angepassten Forderungen trotzdem zu demonstrieren. Zunächst einmal sind Kernforderungen umgesetzt worden, wenn auch nicht ganz zu Ende gedacht“, so der Vorstand der IG Kölner Gastro. „Dafür sind wir erst einmal dankbar und werden sehr genau die kommenden Schritte beobachten. Vor allem für Kneipen und Bars, die nicht von der veränderten Mehrwertsteuer profitieren, muss es auch zügig andere Lösungen geben. Wir wünschen aber allen anderen und vor allem der DEHOGA viel Erfolg.“

Die Aktion war angesichts der sehr besorgniserregenden Situation in der Gastronomie vom Leaders Club Germany bundesweit initiiert worden und die IG Kölner Gastro hatte damit auch ein Zeichen setzen wollen.

Quelle: Pressemitteilung der Koordinationsbüro Leaders Club Deutschland AG

Artikelbild unter CC-Lizenz von Henry Burrows