Vegetarische Wurst? Aber bitte mit Fleischgeschmack!

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Am 24.04.2015 berichtete die WAZ in einem Artikel über einen neuen Trend bei den Wurstproduzenten: Vegetarische Wurst mit Fleischgeschmack. Was auf den ersten Blick etwas paradox klingt, wird noch paradoxer, wenn man den WAZ-Artikel weiter liest.

Vegetarische Wurst ist im Trend

Es heißt dort, dass vegetarische Wurst derzeit bei den Verbrauchern im Trend ist und dass nun auch die Fleischindustrie in den Markt drängt. Spätestens jetzt fragt man sich doch, ob es sich hier nicht um einen Scherz handelt. Die Fleischindustrie, quasi das Feindbild aller Vegetarier, drängt in einen Markt für Wurst ohne Fleisch.

Aber es stimmt wirklich. So hat der Wursthersteller Rügenwalder Mühle inzwischen seine Schinkenspicker-Wurst und die Mühlen Frikadellen auch als vegetarische Variante auf den Markt gebracht. Auf der Webseite des Unternehmens wird betont, dass man bei der Entwicklung der vegetarischen Produkte in vielen Fachfragen den Vegetarierbund Deutschland hinzugezogen habe und durch das Institut Fresenius wird bestätigt, dass alle Produkte ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern sowie laktose- und fleischfrei seien.

Weitere Produzenten planen vegetarische Produkte

Laut dem Bericht der WAZ planen bereits weitere Wurstproduzenten den Einstieg in den vegetarischen Markt, der die Nachfrage bei den Verbrauchen immer größer wird. Laut dem Vegetarier Bund verzeichnete der Handel mit vegetarischen Produkten seit 2008 ein jährliches Umsatzplus von rund 30%. Und auch Marktforschungen bestätigen den steigenden Bedarf. So mögen laut der WAZ 80% der Vegetarier den Fleischgeschmack und immer mehr Verbraucher verbannen ab und zu das Fleisch vom Teller, um sich gesünder zu ernähren, wollen aber trotzdem ein Fleischgefühl im Mund haben. Für letztere Verbrauchergruppe hat die Branche auch schon einen Namen gefunden und nennt sie „Flexitarier“.

Trotzdem ist man sich laut dem Artikel der WAZ bewusst, dass man überzeugte Veganer und Vegetarier mit der vegetarischen Wurst und anderen Fleischersatzprodukten nicht erreichen kann, da für diese der Fleischverzicht eine eine Frage der Lebensweise sei. Die Flexitarier hingegen folgen nicht einem ethischen Ansatz sondern simpel einem Ernährungstrend, weshalb die Fleischersatzprodukte dem „echten“ Fleisch in möglichst vielen Punkten gleichen müssen, um bei diesen Verbrauchern anzukommen.

Vegetarische Wurst: Das Nikotinpflaster für Vegetarier?

All diese Punkte klingen, meiner Meinung nach, schon etwas bizarr und man kommt nicht darum herum, sie mit ein wenig Humor zu betrachten. Die Fleischindustrie produziert vegetarische Wurst. Verbraucher verzichten auf Fleisch, um sich gesünder zu ernähren, wollen aber nicht auf Geschmack und Gefühl verzichten.

Wüsste man nicht, dass Fleisch medizinisch keine Droge ist und süchtig machen kann, könnte einem glatt der Vergleich zu einem anderen Bereich des menschlichen Lebens in den Sinn kommen, der in den letzten Jahren ebenfalls heftig diskutiert wurde: das Rauchen.

Auch hier gibt es etwas, dass dem Fleischersatz sehr ähnlich scheint. Viele Menschen möchten aus gesundheitlichen Gründen aufhören zu Rauchen, aber ihr Körper braucht das Nikotin und daher verwenden sie Nikotinpflaster.

Ähnlich könnte es bei Menschen aussehen, die vielleicht aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen beschließen, auf Fleisch zu verzichten, den Geschmack und das Essgefühl aber so sehr lieben, dass sie nicht darauf verzichten möchten. Dann wäre vegetarische Wurst so etwas wie das Nikotinpflaster für Vegetarier.

Quellen: derwesten.de und ruegenwalder.de

Artikelbild unter CC-Lizenz von stu_spivack

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