Kochausbildung: Reaktionen im Netz

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Nachdem wir uns an den vergangenen zwei Freitagen näher mit den Arbeitsbedingungen in der Kochausbildung auseinandergesetzt haben, stellt sich nun natürlich die Frage, in wie weit die Erfahrungen unserer beiden Kontaktpersonen zu den allgemeinen Reaktionen im Netz zu dieser Thematik passen.

Angeregt wurde die Diskussion durch einen Artikel des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ über den die AHGZ Anfang Februar 2015 berichtete und der zahlreiche Presseberichte nach sich zog.

Sind die Erfahrungen unserer Kontakte in der Kochausbildung repräsentativ?

Wie aber sieht es nun allgemein aus? Passen die Erfahrungen und Berichte unserer Kontakte zu dem, was die Allgemeinheit im Netz zu den Arbeitsbedingungen in der Kochausbildung und der Gastronomie generell sagt? Wir sagen ganz klar: Ja!

Bereits in den Kommentaren zum ersten Bericht der AHGZ schrieb der Nutzer Peter Andreas Jung: „Man sollte von den alten Irrglauben abrücken, dass ein Essen was von einem Koch zubereitet wird, der nur frische Zutaten verarbeitet, für 8,50 Euro zu haben ist. Stellt Euch selber mal in die a la carte Küche und kocht, dann wisst Ihr was ich meine. 28,50 Euro wären zu wenig. Frankreich ist da echt ein Vorbild. Wert zu schätzen was es Wert ist. In diesem Sinn. Nachdenken – und dann geniessen.“

Diese Aussage deckt sich mit der von einem unserer Kontakte (Name restaurant-reporter.de bekannt) aus Teil zwei unserer Artikelserie. Er sagte uns, dass ein Mittagessen für 5 Euro nur mit staatlichen Zuschüssen, minderwertigen Zutaten oder durch Ausbeutung der Mitarbeiter zu machen sei.

Stress, hohe Arbeitsbelastung und niedrige Löhne sorgen für Probleme in der Gastronomie

Auch was die Arbeitszeiten angeht, treffen die Aussagen unserer Kontakte („14 Stunden Arbeit an 5 bis 7 Tagen die Woche sind die Regel für einen Koch“) den Kern der Sache recht gut. Anfang März 2015 berichtete auch der Spiegel darüber, dass 70-Stunden-Wochen in der Gastronomie inzwischen längst die Regel und 10- bis 12-Stunden-Tage die Norm seien.

In den Kommentaren zu diesem Bericht des Spiegel finden sich ebenfalls zahlreiche Bestätigungen, der von uns recherchierten Sachverhalte zur Kochausbildung. Unter anderem schreibt der Nutzer „lemmy“ unter „10. Echter Knochenjob“: „Wer sich einmal mit der Materie beschäftigt hat, der weiß, dass der Beruf des Kochs ein echter Knochenjob und zudem noch psychisch sehr belastend ist. Mein Bruder ist Chefkoch und aufgrund seines Berufes auch krank geworden: Herzprobleme, Bluthochdruck etc. Arbeitszeiten von täglich mindestens 10 Stunden sind völlig „normal“ in dieser Branche. Und besonders gut bezahlt wird dieser Job leider auch nicht. Für mich gehört dieser Berufszweig mit zu den unterschätzten und stark unterbezahlten Arbeitsbereichen. Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der in diesem Bereich tätig ist.“

Es gibt nicht nur schwarze Schafe

Festzuhalten ist aber auch, dass es nicht ausschließlich schwarze Schafe unter den Gastronomen gibt, wie ja auch schon unser Kontakt Onur Baki in seinen Erfahrungen während der Kochausbildung berichtete. So schaltete sich zum Beispiel auch Sternekoch Christian Jürgens bereits im Februar 2015 in die Diskussion ein und forderte vernünftige Löhne in der Gastronomie. Gleichzeitig kritisierte er aber auch die starren Arbeitszeitregelungen in Deutschland, die für die Gastronomie schlichtweg nicht flexibel genug seien und daher nur schwer umsetzbar sind.

In den Kommentaren zum ersten Bericht der AHGZ zur Kochausbildung findet sich außerdem die Meinung von Nutzer Volker Heimes. Er sieht die guten Ausbilder hauptsächlich in Kettenhotels und größeren Betrieben, was sich in gewisser Weise auch mit den positiven Erfahrungen von Onur Baki im Best Western Premier Alsterkrug Hotel deckt.

Festzuhalten bleibt, dass es einen Mangel an Auszubildenden gibt und das die bestehenden Probleme dringenden Handlungsbedarf nach sich ziehen. Leider gilt aber auch, dass die Probleme nicht erst seit gestern existieren, wie Nutzer Hans-Peter Sattler in den Kommentaren zum Gastbeitrag von Christian Jürgens in der AHGZ festhält: „Der hochgeschätzte Koch Christian Jürgens beschreibt in seinem Gastbeitrag eine Situation, die schon vor 30 Jahren, vor 20 Jahren, vor 10 Jahren und eben auch heute in der AHGZ zu lesen war. Die bittere Erkenntnis, es hat sich nicht wirklich etwas verändert. In einer Marktwirtschaft entscheidet eben immer noch der Kunde (der Azubi?!) ob er ein Produkt (die Ausbildung?!) möchte oder eben nicht. Darum ist es hohe Zeit innovativ und radikal vorzugehen.“

Es bleibt zu hoffen, dass die nun angestoßene Diskussion zu Verbesserungen führt und vielleicht auch zu einem Umdenken in der Gesellschaft im Hinblick auf angemessene Preise für ein Essen in einem Restaurant.

Quellen: AHGZ, SPIEGEL-ONLINE, Presseportal

Artikelbild unter CC-Lizenz von Jeff Kubina

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