Greenpeace: Ausmaß der Überfischung größer als angenommen

Greenpeace - Fischratgeber

Die Überfischung der Fischbestände unserer Weltmeere ist ein immer größer werdendes Problem auf das auch Greenpeace zur Veröffentlichung des aktuellen Fischratgebers erneut hinweist.

„Vielen Fischbeständen steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Auch wenn sich einzelne Bestände gerade wieder erholen, stecken unsere Meere aufgrund von Überfischung in einer tiefen Krise“, sagt Sandra Schöttner, Meeresexpertin von Greenpeace. 61,3 Prozent der weltweiten Speisefischbestände sind laut Welternährungsorganisation (FAO) bis an die Grenze genutzt, 28,8 Prozent sind bereits überfischt oder erschöpft. Das tatsächliche Ausmaß der Überfischung geht jedoch sogar noch über die offiziellen Zahlen der FAO hinaus, wie eine kürzlich im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie von Pauly & Zeller aufzeigt. Zudem zerstören viele Fangmethoden sensible Ökosysteme und unzählige Meerestiere landen als unerwünschter Beifang im Netz.

Für die Bewertungen im Fischratgeber berücksichtigt Greenpeace deshalb bei Wildfischereien neben dem Zustand des jeweiligen Fischbestands unter anderem auch die Umweltauswirkungen der Fangmethode. Bei Aquakulturen wiederum spielen etwa die Herkunft der Eier und Jungtiere sowie die Zusammensetzung des Futters eine Rolle. Insgesamt hat Greenpeace auf Basis einer mit Wissenschaftlern erarbeiteten Methode rund 115 Arten bewertet, unterteilt in 550 Wildfischbestände und 120 Herkunftsländer von Aquakultur-Fisch.

Greenpeace: Karpfen ohne schlechtes Gewissen genießbar

Wer auf Fisch nicht verzichten möchte, kann beim Karpfen ohne schlechtes Gewissen zugreifen. Hering und Wels sind ebenfalls noch überwiegend vertretbar, jedoch mit Ausnahmen. Dies zeigt die heute erschienene aktualisierte Auflage des Greenpeace-Fischratgebers. Dieser gibt im Print-Taschenformat und als App entscheidende Orientierung für Verbraucher. Denn mit seiner uneingeschränkt grünen Bewertung ist der Karpfen ein Einzelfall – bei allen anderen Fischarten gilt es, genauer hin zu sehen: „Zahlreiche Fang- und Zuchtmethoden schaden der Umwelt erheblich. Viele Bestände sind überfischt. Um eine umweltbewusste Wahl zu treffen, reicht der Blick auf die Fischart allein deshalb nicht aus – ausschlaggebend ist, wo und wie der Fisch gefangen oder gezüchtet wurde“, sagt Schöttner.

Dementsprechend sollte man auf Hering aus bestimmten Regionen des Nordost- und Nordwestatlantiks verzichten, auch wenn er im Einkaufsratgeber als grundsätzlich „grün“ eingestuft ist. Das betrifft unter anderem das so genannte Subfanggebiet Skagerrak/Kattegat oder die Westküste Neufundlands. Bei beliebten, aber problematischen Arten wie Lachs und Thunfisch hilft der Fischratgeber, vertretbare Ausnahmen zu finden. So etwa Pazifischer Lachs aus dem Nordostpazifik, der im Golf von Alaska mit Ringwaden, Schleppangeln oder Stellnetzen gefangen wurde. Ausnahmslos als „rot“ eingestuft sind unter anderem Aal, Makrele und Rotbarsch. Aber auch der Alaska-Seelachs, der in vielen Fischstäbchen und Schlemmerfilets steckt und zu Deutschlands meist konsumierten Speisefischen zählt.

Beim Einkauf zum Meeresschutz beitragen

In Deutschland kommen laut Fisch-Informationszentrum jährlich rund 1,1 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte auf den Tisch. Das entspricht durchschnittlich rund 14 Kilogramm pro Person. „Jeder kann zum Schutz der Meere beitragen: Selten Fisch und Meeresfrüchte essen, mithilfe des Greenpeace-Ratgebers bewusst Fisch aus nachhaltiger Herkunft kaufen sowie den Handel auf ‚rot‘ bewerteten Fisch und Produkte mit mangelnder Kennzeichnung hinweisen“, sagt Schöttner. Von Fischindustrie und Einzelhandel fordert Greenpeace ein durchgängig nachhaltiges und transparentes Vorgehen bei Produktion, Ein- und Verkauf.

Der Fischratgeber im Taschenformat ist kostenlos zu bestellen unter www.greenpeace.de/fischratgeber. Die App gibt es kostenlos im Apple App- oder Google Playstore. Weitere Informationen und Rezepte von TV-Köchin Sarah Wiener unter www.greenpeace.de/fisch.

Quelle: Pressemitteilung von Greenpeace

Artikelbild: Freianzeige von Greenpeace

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.