Gewerkschaft NGG fordert Kurswechsel bei Unilever

Michaela Rosenberger - Gewerkschaft NGG

Foto: www.ngg.net

Nach dem abgewendeten Übernahmeversuch durch Kraft Heinz hat Unilever angekündigt, die Rendite bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. Die Betriebsräte, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die Europäische Gewerkschaftsföderation EFFAT hatten die Pläne bereits im Mai scharf kritisiert.

Nach NGG-Informationen soll nun möglichst rasch die Margarine-Sparte des Konzerns verkauft werden. Betroffen sind europaweit rund 1.000 Beschäftigte – etwa 300 davon an den deutschen Standorten Kleve (Nordrhein-Westfalen), Hamburg und Pratau (Sachsen-Anhalt). Hier laufen unter anderem die Marken Lätta, Becel und Sanella vom Band.

Die NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger (Bild oben) spricht von einer „Kurzfrist-Ökonomie“ des Konzerns: „Unilever hat im Wesentlichen Aktionäre, potentielle Investoren und Analysten im Blick. Die Beschäftigten sind die Leidtragenden.“ Unilever-Europabetriebsrat Hermann Soggeberg fordert einen „Kurswechsel“ des Konzerns: „Wenn jetzt der Verkauf der Margarine-Werke in die finale Phase geht, dann muss auch ein Zukunftsplan für die Mitarbeiter her.“ Jeder Kaufinteressent solle sich zum Erhalt der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen verpflichten. Dazu hat sich der Betriebsrat mit einem Offenen Brief an die potentiellen Erwerber gewandt.

Lätta, Becel & Co.: Was passiert mit Margarine-Standorten bei Unilever?

Soggeberg verlangt, die Betriebsräte in die Gespräche zur Zukunft der Margarine-Sparte einzubeziehen. „Unilever kann nicht länger eine Informationspolitik an den Mitarbeitern vorbei fahren. Sie wollen wissen, was der Käufer mit ihren Jobs vorhat.“ Den Zuschlag solle zudem nur der Bieter bekommen, der ein nachhaltiges Wachstum der Marken im Blick habe. „Dazu gehört eine dauerhafte Perspektive für die Beschäftigten in den beiden deutschen Margarine-Werken“, so der Arbeitnehmer-Vertreter.

Für das verbleibende Unilever-Geschäft fordern NGG und Betriebsrat eine dringende Kurskorrektur. „Sich für Investoren kaputt zu sparen, ist der falsche Weg. Im Zuge der Zentralisierung von Dienstleistungen in der Lieferkette werden die Belegschaften enorm belastet“, sagt Soggeberg. Erstes Ziel von Unilever müsse sein, Menschen mit hochwertigen Produkten zu versorgen, die Umwelt zu schonen sowie gute und sichere Arbeitsplätze in Europa zu erhalten. Einem solchen Zukunftsplan schließe sich der Betriebsrat gern an.

Hintergrund:
Unilever ist mit einem Umsatz von 53 Milliarden Euro einer der größten Hersteller von Verbrauchsgütern weltweit. Im deutschsprachigen Raum beschäftigt der Konzern rund 5.000 Mitarbeiter an elf Standorten. Zwischen Hamburg und Wien werden unter anderem die Marken Lätte, Pfanni und Knorr produziert.

Quelle: Pressemitteilung der Gewerkschaft NGG

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