Euroman? Wer ist das eigentlich?

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Die Menschen im Norden des westlichen Münsterlandes, rund um Gronau / Westfalen, kennen den  Euroman mit großer Wahrscheinlichkeit, denn die dort ansässige Gastronomie macht bereits seit 2007 regelmäßig „Bekanntschaft“ mit ihm. Hinter dem Euroman steckt schließlich ein Restaurantkritiker.

Er kritisiert als normaler Gast mit jahrelanger Erfahrung in Restaurants, geht dabei oftmals hart in seinen Restaurantkritiken mit Gastronomen um und veröffentlicht seine Erfahrungen dann im Web auf seiner eigenen Webseite.

Interview mit dem Euroman

Für alle, die es noch etwas genauer wissen möchten, haben wir den direkten Kontakt gesucht und den Euroman zum Interview gebeten:

Wer ist der Euroman und woher kommt er?

Diese Frage von restaurant-reporter.de lässt sich leicht beantworten: Der Euroman bin ich, Roland Därr, geboren in Gelsenkirchen. Einerseits Restaurantkritiker, genauer der Restaurantinspektor für Gronau / Westfalen bzw. Nachbargemeinden auf der Webseite restaurantinspektor.com und andererseits auch das Gastrogesicht mit der Webseite gastrogesicht.de.

Zu dem Projekt Euroman gehört auch noch ein Monatsrückblick auf der-restaurantkritiker.com. Ich empfehle der Einfachheit halber, der-euroman.com, die Basisseite vom Euroman zu besuchen. Die erklärt das alles.

Hat restaurant-reporter.de noch weiter so „schwere“ Fragen oder wird es noch leichter?

Warten Sie es ab! Es kommt noch einiges an Fragen. Diese zum Beispiel: Die Restaurantkritik ist nicht Ihr Hauptberuf. Was machen Sie außerhalb der Restaurantkritik?

Meinen Hauptberuf in der Pflege von alten und kranken Menschen, in dem ich fast 25 Jahre tätig war, kann ich seit 2012 aus gesundheitlichen Gründen – Horst Schlämmer würde sagen ich hab Rücken – leider nicht mehr ausüben.

Froh bin ich darüber zwar nicht, muss aber auch sagen, dass ich es mir heute nicht mehr vorstellen kann, in diesem Beruf zu arbeiten und mich manchmal frage wie ich das so viele Jahre machen konnte.

Aktuell führe ich ein ganz kleines Familienunternehmen oder anders gesagt: Ich bin Hausmann.

Bringt uns zu der Frage: Wie kamen Sie überhaupt auf das „Hobby“ Restaurantkritik?

Da gab es 2007 einen Restaurantbesuch in der Stadt Lemvig, einem wunderbaren Ort in Dänemark. Denn der Limfjord liegt einem zu Füßen, die Nordsee ist nah und auch ein Wald ist schnell zu erreichen.

Das Essen in diesem Restaurant war jedenfalls soweit okay. Doch dann betrat ich die Toilette. Dort roch es nicht nur extrem, nein, es sah auch furchtbar verdreckt aus. Man sollte als Gast zwar niemals den Fehler begehen, von den Zuständen der Toiletten eines Restaurants auf die hygienischen Zustände in der Küche zu schließen, aber hier hätte ich definitiv nicht gegessen, wenn ich die Toiletten vorher gesehen hätte.

Durch dieses Erlebnis, zusammen mit den gesammelten Erfahrungen in Restaurants, die übrigens schon im Kleinkindalter begannen, und auch dem plötzlichen Tod einer von mir sehr geschätzten Arbeitskollegin, welcher einige Fragen nach dem Sinn des Lebens aufwarf, entstand die Idee über Restaurants im Web zu berichten.

Warum wählten Sie dafür den Namen Euroman?

Gute Frage und eine, die noch nie jemand gestellt hat. Ehrlich gesagt: Der Name fiel irgendwie vom Himmel, war plötzlich da. Es mag der Bezug des Euro, der nun mal das Zahlungsmittel in Deutschland ist, gewesen sein. Es kann daran gelegen haben, dass Gronau / Westfalen zur Euregio gehört oder, was auch möglich ist, durch eine Zeitschrift in Dänemark inspiriert worden sein.

Das Projekt besteht seit 2007 und beinhaltet mehrere Webseiten. Sind Sie inzwischen auch bei den Gastronomen bekannt oder können Sie nach wie vor inkognito testen?

Ich leide, wie manche Foristen eines Bewertungsportals aus Hamburg glaubten, welches mittlerweile verkauft wurde, nicht an Selbstüberschätzung. Ich sehe doch aus wie Ottonormal und benehme mich in einem Restaurant generell auch so. Unauffälligkeit ist schließlich wichtig.

Klar, es mag Gastronomen gegeben haben, die wussten wer da gerade zur Tür rein kommt, aber was sollen die machen außer zu versuchen im Service zu glänzen? Die Küche kocht schließlich wie immer, der Gastraum und die Toiletten sind auch so wie diese nun einmal sind. Da ist also seitens des Gastronomen wenig möglich.

Was mir in den Jahren jedoch aufgefallen ist, dass die meisten den Namen Euroman speziell in Gronau / Westfalen und Ochtrup zwar kennen, aber sehr überrascht waren, dass sie von mir besucht wurden. Insofern brauche ich mich also nicht verkleiden.

Mehrere Webseiten bedeuten auch eine Menge Aufwand. Können Sie diesen alleine stemmen oder sind noch andere Personen am Projekt Euroman beteiligt?

Ich empfehle hier mal den Blick in das Impressum von irgendeiner von mir verantworteten Webseite. Das klärt diese Frage.

Was den Aufwand betrifft, so ist natürlich klar, dass wir nicht jeden Tag aktiv sind, sein können, die Welt nicht neu erfinden können. Aber das Projekt widerlegt auch eines: Es ist sehr wohl möglich, mehrere Seiten im Web zu betreiben ohne sich zu verzetteln.

Auf den Webseiten wird betont, dass das Euroman-Projekt nicht kommerziell ist, also keine Einnahmen durch Werbung und Ähnliches generiert. Wie rechnet sich das für Sie auf Dauer und wie wird das Projekt finanziert?

Zunächst mal ist das Ganze ein Hobby und ein Hobby rechnet man nicht mit Geld auf. Für ein Hobby zahlt man Geld, hat keine Einnahmen. Gut, es gibt da Ausnahmen, z.B. Preisgelder im Bereich von Hundeschauen oder Ähnliches.

Bei Euroman rechnet sich jedenfalls nichts. Da wird nur von meiner Seite aus bezahlt, damit Menschen wissen, wo es(sen) sich lohnt. Mir geht es darum, meine Erfahrungen, die oftmals leidvoll waren, weiterzugeben. Da blitzt dann vielleicht auch ein „kleines“ Helfersyndrom durch.

Bringt uns zu einer Aussage in Ihrem Blog. Laut dieser erhält Ihr Projekt regelmäßig auch Gegenwind in Form von Forderungen oder geforderten Unterlassungserklärungen bis hin zu einem Hausverbot in einem der getesteten Restaurants im Jahr 2008.

Wie gehen Sie mit diesen Dingen um? Haben Sie schon einmal daran gedacht, das Projekt Euroman aufzugeben?

Was das Ende vom Euroman betrifft, gibt es mehrere Szenarien.

Entweder das natürliche biologische, das Nachlassen der Lust am Projekt oder aber die Käufliche, also das Verkaufen der Domains. Das erste Szenario ist jederzeit möglich. Das dritte nur dann wenn das zweite bereits eingetreten wäre.

Was die Beschwerden betrifft: Da wird, wenn erforderlich, jede durch den Hausanwalt geprüft. Mal verliert man dann. Wie z.B. im Fall von Andreas Krenzke und muss zahlen. Mal reicht schon ein anwaltliches Schreiben und es ist Ruhe.

Einen Grund jedenfalls, wegen solcher Dinge die Arbeit einzustellen, gibt es definitiv nicht. Im Gegenteil, das spornt eher an, es besser zu machen, rechtlich noch unangreifbarer zu werden und ist letztendlich auch ein Beleg dafür ernst genommen zu werden.

Ein Kritiker, der nicht selber mal in den Fokus von Kritik gerät macht in meinen Augen jedenfalls auch etwas falsch, ist eher eine Art Weichspüler. Genau das ist Euroman als Restaurantkritiker aber nicht.

Zugegeben, wie ein „Weichspüler“ kommt Euroman nicht rüber. Sind denn für die Zukunft weitere Webseiten bzw. Erweiterungen für das Euroman-Projekt geplant?

Mit den Teststädten Bad Bentheim, Ahaus, Gronau, Nordhorn und Ochtrup bin ich absolut ausgelastet. Die Gastronomie in z.B. Coesfeld muss sich also keine Sorgen machen. Es ist jetzt schon etwas zu viel. Gerade Nordhorn und auch Ahaus kommen deutlich zu kurz.

Wobei das auch teilweise am Fernsehen liegt. Denn wenn wie 2014 die Kochprofis und auch Frank Rosin im Münsterland sehr aktiv waren, dann muss ich einfach dahin, um zu schauen wie es dort ist. Das geht dann natürlich zu Lasten des eigentlichen Testreviers. Ich kann den Euro schließlich auch nur einmal ausgeben.

Im Kopf gab es, auch aufgrund von PEDIDA-Aufmärschen, die ich nicht gut finde, allerdings ein politisches Webprojekt. Fern aller Restaurantkritik, so der Name, schläft z.Z. jedoch noch. In der Pipeline ist so etwas also. Nur, ob das wirklich mal kommt, weiß ich noch nicht. Schließlich steht Euroman für Gastrothemen und nicht unbedingt für politische Themen. Außerdem habe ich auf gastrogesicht.de mein persönliches Blog. Da kann ich mich schließlich auch außerhalb der Gastrothemen äußern.

Schauen wir einfach mal, was noch kommt.

Und zum Abschluss: Wie entstand Ihre inzwischen wohl recht bekannte Martini-Falle und was hat es damit auf sich?

Auch hier war es Zufall.

Ich trinke grundsätzlich nur in Restaurants einen Martini vor dem Essen und bestelle diesen auch nur ohne Angabe welcher es sein soll. Irgendwo kam dieser mal als Rosso daher, obwohl es auch laut Karte Bianco gab.

Das war dann der Moment. Es ist schließlich auch ärgerlich bzw. ein Indikator für unguten Service, wenn der Service unklare Aussagen eines Gastes nicht abklärt und es sich letztendlich auch selber schwer macht.

Wobei es noch dreister ist, wenn der Service hinterher noch diskutieren will. Ich sage da mittlerweile nur noch: Was ist, wenn ich ein Glas Wein bestellt hätte? Hätte ich dann ohne Nachfrage Rotwein serviert bekommen? Das leuchtet dann i.d.R. ein.

Da dieses die letzte Frage von restaurant-reporter.de an mich war und ihr in meiner Geburtsstadt Gelsenkirchen euren Sitz habt wünsche ich: Glück auf und weiterhin viel Erfolg!

Dieses „Glück auf!“ geben wir gerne zurück und bedanken uns für die interessanten Einblicke in das Projekt Euroman.

Artikelbild mit Genehmigung von Roland Därr.

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